Früherer OB Martin Herzog wird Ehrenbürger der Stadt
Beim Jahresempfang der Stadt Friedrichshafen am 18. Januar wurde der frühere Oberbürgermeister Professor Martin Herzog zum Ehrenbürger ernannt.

„Das Wirken von Martin Herzog hat Friedrichshafen nachhaltig geprägt. Die Stadt verdankt ihm wichtige Impulse, tragfähige Entscheidungen und ein Fundament, auf dem bis heute aufgebaut wird. Mit der Ernennung zum Ehrenbürger möchten wir ihm danken und unsere bleibende Wertschätzung zum Ausdruck bringen“, würdigte Oberbürgermeister Simon Blümcke das Wirken Martin Herzogs anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft im Graf-Zeppelin-Haus.
Von 1977 bis 1984 leitete Professor Martin Herzog als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Friedrichshafen. Mit seinem Wirken und seinem Weitblick hat er die Politik und die Entwicklung Friedrichshafens maßgeblich mitgeprägt.
Martin Herzog wurde am 28. Dezember 1936 in Schramberg geboren. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaft war er mehrere Jahre lang beim Land Baden-Württemberg und in den Landratsämtern von Tuttlingen und Überlingen tätig, zuletzt beim Landratsamt Bodenseekreis. 1973 wurde er mit 40 Jahren der jüngste Landrat in Baden-Württemberg und erster Landrat des neu geschaffenen Bodenseekreises.
1977 wählten die Häflerinnen und Häfler Martin Herzog zum Oberbürgermeister Friedrichshafens. Sein Amt als Oberbürgermeister trat er am 7. November 1977 an. Gleichzeitig war er Vorsitzender im Aufsichtsrat der ZF Friedrichshafen. Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Wirtschaftsministers Rudolf Eberle berief ihn der damalige Ministerpräsident Lothar Späth 1984 an die Spitze des Wirtschaftsministeriums. Im Herbst 1989 schied Martin Herzog aus dem Kabinett aus und wurde Manager einer Filzfabrik und Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie. Mitte der neunziger Jahre wurde er als Honorarprofessor für das Fachgebiet Wirtschaftsrecht in Zwickau berufen und hielt dort einige Jahre lang regelmäßig Vorlesungen. 1999 ging er in den Ruhestand.
Für seine besonderen Verdienste wurde Martin Herzog 1985 der Ehrenring der Stadt Friedrichshafen verliehen. Zwei Jahre später, 1987, wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Im April 2009 würdigte ihn das Land Baden-Württemberg mit der Verdienstmedaille. Am 8. Dezember 2025 beschloss der Gemeinderat Friedrichshafen, Professor Martin Herzog für seine herausragenden Verdienste für die Stadt Friedrichshafen die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.
Zahlreiche Projekte und Einrichtungen sind eng mit seinem Namen verbunden: Sein Meisterstück war das Graf-Zeppelin-Haus. Vor der Verwirklichung mussten beträchtliche Widerstände überwunden werden und Martin Herzog tat alles, um mit überzeugenden Argumenten die tiefen Gräben in der Bevölkerung zu überwinden. So konnte 1982 der Grundstein für eine neue Dimension des öffentlichen Kulturlebens geschaffen werden. Seit der Eröffnung im Jahr 1985 hat das Haus an seiner Ausstrahlungskraft als Kultur- und Kongresszentrum nichts verloren.
Martin Herzog brachte die Sanierung der Altstadt voran und auch der Buchhornplatz wurde umgestaltet. Durch seine zupackende und unkomplizierte Art sorgte er dafür, dass die Innenstadt attraktiver und auch für Touristen anziehender wurde. 1978 rief er den Christkindlesmarkt auf dem Adenauerplatz ins Leben. Die Internationale Bodenseemesse GmbH weitete während seiner Amtszeit ihr Messeprogramm aus.
Martin Herzog gab außerdem wichtige Impulse für Investitionen und Qualitätsverbesserungen beim Wohnungsbau und im Wohnumfeld. Zudem entstanden mehrere Gewerbegebiete, die es möglich machten, dass mittelständische Betriebe sich ansiedeln oder umsiedeln und erweitern konnten. Damit sicherte er die Arbeitsplätze und stärkte die wirtschaftliche Basis der Stadt.
Als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stiftungsbetriebe brachte er deren Internationalisierung und Globalisierung voran. Durch seine Initiativen wurde das Erbe Ferdinand Graf von Zeppelins gefördert, der Grundstein für die Weiterentwicklung des Zeppelin Museums und die internationale Ausstrahlung Friedrichshafens als „Zeppelinstadt“ gelegt.
Einen bedeutenden Beitrag zur Bildungs- und Kulturarbeit leistete Martin Herzog 1980 mit dem Schulmuseum in Schnetzenhausen. Noch heute erfüllt das Schulmuseum, inzwischen an der Friedrichstraße, einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Kulturgeschichte. Auch Umwelt und Naturschutz lagen Martin Herzog schon damals am Herzen. Ein klares Zeichen für den Erhalt wertvoller Natur- und Erholungsräume am Bodensee setzte er 1982, als er das Naturschutzgebiet an der Lipbachmündung voranbrachte. Zudem war Martin Herzog eng verbunden mit vielen Vereinen und Initiativen in Friedrichshafen.
Seit 1999 lebt Martin Herzog oder – wie er oft genannt wird – „MH“ auf seinem Landsitz in Okusuva, zwanzig Kilometer entfernt von der namibischen Wüste. Friedrichshafen blieb er immer treu: Von November bis kurz vor Weihnachten und von Januar bis April lebt er in Afrika. Wenn die Natur am Bodensee erwacht, kommt er immer wieder zurück in sein Haus in Friedrichshafen. Friedrichshafen ist für Martin Herzog Heimat.
Martin Herzog war während der Zeit seines kommunalpolitischen Wirkens in Friedrichshafen vor allem wegen seines bescheidenen Wesens, seiner verbindlichen Art und seines stets ausgeglichenen Umgangs mit seinen Mitmenschen sehr beliebt und geschätzt. Durch sein Wirken hat Martin Herzog dazu beigetragen, dass die Stadt als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturstandort an Bedeutung gewann.
Mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft würdigen der Gemeinderat und die Stadt Friedrichshafen seine außergewöhnliche Lebensleistung in besonderer Weise.